Unisextarife: Frauen zahlen künftig mehr für die Kfz-Versicherung

Freitag den 30.12.2011

Das Raunen war unüberhörbar, als der Europäische Gerichtshof (EuGH) im März dieses Jahres entschied, dass ab dem 21. Dezember 2012 nur noch sogenannte Unisextarife angeboten werden dürfen. Das Urteil stellt die Kalkulation der Versicherungsbranche völlig auf den Kopf. Galt das Geschlecht bislang als Risikomerkmal, nicht nur bei der Renten-, sondern auch bei der Kfz-Versicherung, darf es jetzt nicht mehr in die Beitragsberechnung einfließen. Die Konsequenzen lassen sich nur schwer abschätzen. Einen ersten Ausblick wagt die Studie des Beratungsunternehmens Oxera.

Das Unternehmen hatte im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erste Berechnungen angestellt, wie die Tarife künftig aussehen könnten und wer für welche Police demnächst tiefer in die Tasche greifen muss bzw. sparen kann. Michaela Koller, Generaldirektorin des europäischen Versicherungsverbandes (CEA), zog bei der Vorstellung der Ergebnisse ein ernüchterndes Fazit: „Die Studie zeigt, dass das Verbot von Geschlechtsdifferenzierung eine Reihe von unbeabsichtigten, negativen Konsequenzen für Verbraucher, Versicherungsmärkte und die gesamte Gesellschaft hat.“

Berücksichtigt man nur den reinen Umverteilungseffekt – sprich: die Umverteilung der Prämien vom Geschlecht mit dem höheren Risiko zu dem mit dem niedrigeren Risiko – ergeben sich zum Teil extreme Auswirkungen auf das Prämienniveau. Frauen zahlen demnach für eine Risikolebensversicherung mindestens 30 Prozent mehr. Männer müssen dafür bei der privaten Rentenversicherung mit einer um fünf Prozent geringeren Leistung rechnen. Geht es um die Kfz-Versicherung, sind es wiederum die Frauen, die ab Ende Dezember 2012 mehr berappen müssen. Laut Studie steigt der Autoversicherungsbeitrag für das weibliche Geschlecht um rund elf Prozent.