Die Fahrleistung – lieber höher statt zu tief stapeln

Donnerstag den 2.02.2012

Die Frage nach der jährlichen Fahrleistung gehört zu den Standards bei jedem Kfz-Versicherungsvergleich und ist fester Bestandteil des Antrags auf eine neue Police. Pi mal Daumen einen beliebigen Wert einzutragen, weil der Kilometerleistung keine Bedeutung beigemessen wird, wäre der absolut falsche Weg. Die Fahrleistung ist zwar nicht das wichtigste, aber eines der entscheidenden Elemente bei der Beitragsberechnung. Doch was passiert, wenn man sich komplett verschätzt hat oder die Vorzeichen – zum Beispiel eine neue, weiter entfernte Arbeitsstelle – sich verändert haben? Wir haben bei mehreren Assekuranzen nachgefragt.

Grundsätzlich gilt bei allen Kfz-Versicherern: Die Höhe der Fahrleistung wirkt sich direkt auf den Beitrag aus und ist somit ein wesentliches Tarifmerkmal. „Denn: Je häufiger und je länger ein Auto unterwegs ist, desto höher ist der entsprechende Risikofaktor“, erklärt Ulrich Lütkemeyer von der Sparkassen Direktversicherung (S-Direkt). Der Versicherungsnehmer ist daher verpflichtet, wahrheitsgemäße Angaben zu machen. Mehr noch: Abweichungen müssen gemeldet werden. Alois Schnitzer, Pressechef der HUK-Coburg, schreibt dazu. „Sofern ein Versicherungsnehmer sich bei uns meldet und die Änderung seiner jährlichen Fahrleistung wünscht, da er diese über- oder unterschritten hat, wird zur Überprüfung in aller Regel auch der aktuelle km-Stand abgefragt“.

Das weitere Vorgehen ist bei allen Unternehmen gleich. Es wird neu kalkuliert. „Aufgrund der Aktualisierung erfolgt dann die Nachberechnung“, sagt die Pressestelle von Direct Line. Die HUK-Coburg verweist ergänzend auf die „Allgemeinen Bedingungen für die Kfz-Versicherung“, kurz AKB: „Ändern sich während der Laufzeit des Vertrages Angaben zu Tarifierungsmerkmalen, berechnen wir den Beitrag neu.“ An sich ist es also kein Problem, die jährliche Kilometerleistung anpassen zu lassen. „Lebensumstände ändern sich nun einmal“, weiß die S-Direkt.

Bei einer höheren Fahrleistung steigt der Beitrag. Wer weniger fährt, muss künftig auch weniger zahlen. Auf eine Erstattung zu viel gezahlter Beiträge sollte man allerdings nicht hoffen. Bei der HUK-Coburg gilt „der neue Beitrag rückwirkend ab Beginn des laufenden Versicherungsjahres.“ Direct Line passt die Leistung für das kommende Jahr an und bei der Sparkassen DirektVersicherung heißt es klipp und klar: „Eine Rückerstattung bei Unterschreitung der vereinbarten Fahrleistung erfolgt übrigens nicht.“ Von daher sollte möglichst genau überlegt werden, welche Fahrleistung genannt wird.

„Erfahrungsgemäß geben Kunden die Fahrleistung eher knapper als großzügig an. Auch eine Veränderung mitten im Jahr wird recht zügig mitgeteilt, da die Fahrleistung als preisbestimmendes Merkmal in der Bevölkerung durchaus gut bekannt ist“, hat Direct Line festgestellt. Man sollte sich allerdings nicht dazu verleiten lassen, bewusst tief zu stapeln. Da kennen die Assekuranzen kein Pardon. Trotz einer „gewissen Kulanz“ bei einer Überschreitung im „überschaubaren Rahmen“, mit der die S-Direkt sehr gute Erfahrungen gemacht hat, wird notfalls sehr genau auf den Tachostand geschaut: „Denn das betrügerische Verhalten einiger schwarzer Schafe darf auf keinen Fall zulasten unserer ehrlichen Kunden gehen.“