Billig-Tarife: Sparen zulasten der Leistung

Montag den 23.04.2012

2011 beherrschte vor allem ein Thema die News rund um das Thema Kfz-Versicherung: höhere Beiträge. Um die Schaden-Kosten-Quote – sie spiegelt das Verhältnis von Einnahmen zu Ausgaben wider – zurück ins Lot zu bringen, drehten viele Assekuranzen an der Preisschraube. Betroffen waren nicht nur Fahrzeughalter, die einen neuen Vertrag abschlossen, sondern bisweilen auch Bestandskunden. Sie erhielten die Überraschung in Form einer teils deutlich höheren Rechnung per Post und hatten damit das Recht, den Vertrag außerordentlich zu kündigen.

Die Frage ist, ob es tatsächlich Sinn macht, preisbedingt den Anbieter zu wechseln, wenn man mit Leistung und Service des Unternehmens ansonsten rundum zufrieden ist. Zum einen ist davon auszugehen, dass die Preissteigerungen kein Einzelphänomen sind, das nur wenige Gesellschaften betrifft. Im Gegenteil: Über kurz oder lang werden alle Versicherer die Beiträge anpassen müssen, um aus den tiefroten Zahlen zu kommen. Zum anderen, was viele Autofahrer völlig unterschätzen: Bei der aktuellen Autoversicherung weiß man, was man hat, und muss sich in puncto Leistung und Service nicht überraschen lassen.

Wenn über einen Wechsel nachgedacht wird, sollte vorher mit einem Kfz-Versicherungsvergleich geklärt werden, ob der Vertrag wirklich zu teuer ist. Dazu muss der Fokus auf die Leistung bzw. die Leistungsmerkmale gelegt werden, von denen man aktuell profitiert. Wie es um den Service bestellt ist, lässt sich über einen reinen Preisleistungs-Vergleich leider nicht ermitteln. Hier helfen Foren, Blogs und die Erfahrungen anderer Kunden – wobei zu beachten ist, dass schlechte Erfahrungen weitaus öfter kommuniziert werden als ein Lob.

Versicherungsnehmer, die beim Vergleich nur auf den Preis schielen, laufen Gefahr, sich in den Fallstricken von „Billig-Tarifen“ zu verheddern. Denn günstige Beiträge können nur realisiert werden, wenn hier und da an Leistung und Service gespart wird. Versicherungsexperte Manfred Poweleit, der jüngst seinen Branchenüberblick vorstellte, kennt die Probleme. Die „Geizstrategie“ habe die Sparte Kfz-Versicherung „ruiniert“. Kunden müssten bei sehr günstigen Angeboten inzwischen damit rechnen, dass bei der Abwicklung eines Schadens „rumgezickt“ werde. Ob ein paar Euro mehr im Portemonnaie diesen Ärger wert sind, muss jeder selbst entscheiden.