Nicht jeder Wildunfall ist versichert

Donnerstag den 26.04.2012

Augen auf, wenn Verkehrsschilder explizit auf einen Wildwechsel hinweisen. Denn: Wird das Auto beschädigt, weil man einem Tier ausweicht, erstattet die Teilkaskoversicherung nicht automatisch alle Kosten. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichtes Saarbrücken hervor (Aktenzeichen: 5 U 356/10-57), auf das die Stiftung Warentest aufmerksam macht. Die Richter erklärten, dass die Autoversicherung die Zahlung kürzen darf, wenn sich nicht mehr genau klären lässt, ob der Grund für das Ausweichmanöver ein Hase, ein Reh oder ein anderer Waldbewohner war.

Bei der Klage, die vor dem Oberlandesgericht Saarbrücken verhandelt wurde, ging es um einen solchen Unfall. Der Mann wollte den Zusammenstoß mit einem Tier vermeiden. Dabei verlor er mitten auf der Autobahn die Kontrolle über das Auto und überschlug sich. Später gab er zu Protokoll, er sei wohl mit einem Reh kollidiert. In der Nähe der Unfallstelle fanden Polizisten allerdings „nur“ einen toten Hasen. Für die Teilkaskoversicherung des Fahrers war der Fund von Meister Lampe Grund genug, gar keine Leistung zu erbringen. Nach dem Urteil muss die Assekuranz jetzt zumindest die Hälfte des Schadens regulieren und dem Kunden 6.500 Euro abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung überweisen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Wildunfälle die Gerichte beschäftigen. Denn hier geht es unter anderem darum, ob die Teil- oder die Vollkaskoversicherung für den Schaden aufkommt. Dazu erklärte das Oberlandesgericht Hamm im Jahr 2008: Der Versicherungsnehmer muss nachweisen, dass es sich um einen Wildunfall handelt, der in den Zuständigkeitsbereich der Teilkaskopolice fällt. Auf der anderen Seite ist die Vollkaskoversicherung in der Beweispflicht, wenn sie davon ausgeht, dass bei einem Schaden kein Wildunfall zugrunde liegt und der Kunde möglicherweise falsche Angaben gemacht hat (OLG Hamm, Aktenzeichen 20 U 134/07).