Geschmacklose Werbung für die Kaskoversicherung

Mittwoch den 16.05.2012

Wie weit darf Werbung für eine Kfz-Versicherung gehen? Normalerweise zeichnen sich die Spots und Aktionen der Assekuranzen durch Seriosität aus, teils gepaart mit ein wenig Witz. In Österreich hat man jüngst probiert, mit knallharten Fakten auf sich aufmerksam zu machen und potenzielle Kunden für den Abschluss einer Kaskoversicherung zu gewinnen. Der Schuss ging nach hinten los. Denn jetzt stehen dem Unternehmen möglicherweise sogar Klagen verärgerter Autofahrer ins Haus.

Was war passiert? In den Wiener Bezirken Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund war vielen Fahrzeugbesitzern der Schreck in die Glieder gefahren, als sie zu ihrem Wagen kamen. Auf den ersten Blick sah es so aus, als hätte jemand das Auto beschädigt. Eine schwarze Schramme auf der Fahrertür erinnerte an einen typischen Parkschaden. Immerhin: Der vermeintliche Übeltäter hatte eine Visitenkarte hinter den Scheibenwischer geklemmt. Wer die Nummer anrief, wurde von freundlichen und bestens geschulten Mitarbeitern darauf hingewiesen, wie wichtig eine Kfz-Kaskoversicherung doch sein kann.

Das, was augenscheinlich nach einem Schaden aussah, war nur eine simple Folie. Die könne ohne Rückstand von der Tür abgezogen werden, erfuhren die Halter am Telefon. Freunde hat sich die Allianz-Versicherung mit dem „Scherz“ ganz sicher keine gemacht. Einige Opfer, die bereits unangenehme Erfahrungen mit Parkremplern und Fahrerflucht gemacht hatten, wandten sich erbost an die Presse und den Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC). Die Aktion schlug entsprechend große Wellen. Da nützten auch die beschwichtigenden Worte, es habe sich nur um eine „punktuelle Kurzfristaktion für eine Gebrauchtwagenkasko“ gehandelt, die spätere Entschuldung und der Gutschein für eine Autowäsche herzlich wenig.

„Das ist eine bodenlose Frechheit“, zitiert der „Kurier“ eine Halterin, die von der Schrammen-Folie erschreckt wurde. Der ÖAMTC spricht von „absolutem Wahnsinn“ und sieht in dem Vorgehen der Kfz-Versicherung eine „Besitzstörungshandlung am Fahrzeug“. Heißt: Es drohen unter Umständen sogar Klagen. Der Chefjurist des Clubs, Martin Hoffer, bringt zudem das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb ins Spiel. Viel Ärger für die Assekuranz – und ganz sicher nur wenige neue Kunden.