Massenkarambolage – wenn es richtig kracht

Dienstag den 29.05.2012

Wenn zwei Fahrzeuge in einen Unfall verwickelt sind, ist es in der Regel relativ einfach, den Schuldigen zu ermitteln und zu klären, wessen Kfz-Haftpflichtversicherung für den Schaden aufkommen muss – notfalls auch vor Gericht. Was aber, wenn nicht zwei, sondern 20, 30 oder mehr Autos bei einer Massenkarambolage Federn lassen?

Dann wird es kompliziert und zunehmend schwerer, einen oder mehrere Fahrer zur Verantwortung zu ziehen. Aus dem Grund haben sich die Assekuranzen 1976 auf einen Modus geeinigt, um auch in solchen Fällen eine schnelle und möglichst faire Regulierung zu gewährleisten: Die Kfz-Versicherer schließen sich kurzerhand zusammen.

Eine solche gemeinsame Regulierungsaktion erfolgt bei Crashs mit mindestens 50 Fahrzeugen – wie zum Beispiel vor einem Jahr auf der A19 bei Rostock, als eine Staubwolke dafür sorgte, dass 83 Autos und Lastwagen im Blindflug ineinander rasten. Doch auch bei „nur“ 20 Fahrzeugen ziehen die Gesellschaften an einem Strang, sofern der Unfall nicht eindeutig rekonstruiert werden kann.

Die Abwicklung, für die zwei oder drei Kfz-Versicherer verantwortlich zeichnen, erfolgt bei Massencrashs nach einem einheitlichen Schlüssel. Sollte zum Beispiel das Heck beschädigt worden sein, werden 100 Prozent erstattet. Bei einem Frontschaden sind es 25 Prozent. Wenn es vorne und hinten gekracht hat, zahlen die Kfz-Haftpflichtversicherungen zwei Drittel des Schadens. Über den Schadenfreiheitsrabatt müssen sich die Versicherungsnehmer keine Gedanken machen. Er bleibt unverändert. Auf diese Weise lassen sich auch die Folgen von Massenkarambolagen unbürokratisch regulieren. Allerdings ist kein Geschädigter verpflichtet, diesem Verfahren zuzustimmen, sondern kann auch eigene Forderungen stellen.

Tipp: Die gesetzliche Mindestdeckungssumme ist mit 7,5 Millionen Euro bei Personenschäden, einer Million Euro bei Sachschäden und 50.000 Euro bei reinen Vermögensschäden zwar recht hoch angesetzt. Sobald aber mehrere Fahrzeuge und somit auch Personen an einem Unfall beteiligt sind, erweisen sich die Beträge als äußerst knapp. Sinnvoller ist es, im Rahmen der Kfz-Versicherung eine deutlich höhere Deckungssumme zu vereinbaren. Die meisten Unternehmen bieten Tarife mit einer Pauschale von bis zu 100 Millionen Euro an.