Neue TÜV-Regeln: Bürokratischer Unsinn oder Mittel zu mehr Verkehrssicherheit?

Dienstag den 19.06.2012

Verkehrssicherheit geht jeden etwas an, ob Fußgänger, Rad- oder Autofahrer. Diesbezüglich gelten klare Regeln, auch zur Verkehrstüchtigkeit von Fahrzeugen. Wenn ein Auto nicht den Vorschriften entspricht, weil zum Beispiel die Bremsanlage nur einen Bruchteil der geforderten Leistung liefert, muss nachgebessert werden. Sonst bleibt die Kiste stehen. Als Kontrollinstanz dient unter anderem der Technische Überwachungsverein (TÜV), der die Fahrzeuge alle zwei Jahre auf Herz und Nieren prüft. Der Europäischen Union reicht das nicht aus.

EU-Verkehrskommissar Siim Kallas fordert, das ältere Fahrzeuge künftig jährlich eine Hauptuntersuchung durchlaufen. Laut Focus und Financial Times Deutschland gilt das für Autos, die mehr als sieben Jahre auf dem Buckel haben oder nach vier Jahren über 160.000 Kilometer zurückgelegt haben. Dahinter stehen zwei Ziele: Durchaus nachvollziehbar ist der Wunsch nach mehr Sicherheit auf den Straßen in Europa. Eher nebensächlich, aber typisch für die EU, ist der Gedanke an eine einheitliche Prüfpraxis bis zum Jahr 2015. Die entsprechende Verordnung soll im Juli vorgelegt werden. Tritt sie in Kraft und wird in nationales Recht umgewandelt, entstehen den deutschen Autofahrern angesichts von 25 Millionen älterer Modelle zusätzlich Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro.

Kein Wunder, dass die Idee aus Brüssel hohe Wellen schlägt. Auf der einen Seite gibt es Befürworter wie Anton Hofreiter von den Grünen. Er verweist auf Statistiken, wonach die Gefahr gefährlicher Pannen bei älteren Fahrzeugen ungleich höher sei. Klarer Gegner der Pläne sind die Automobilclubs. Auch sie greifen auf Zahlen zurück. „Die Unfallstatistik 2010 weist 354.919 Pkw-Unfälle mit Personenschäden aus. Der Anteil an Pkw, bei denen ein technischer Mangel unfallursächlich war, lag bei 1.508“, so der Allgemeine Deutsche Automobilclub. Er sieht keinen „signifikanten Nutzen“ in der Neuerung und stimmt vermutlich der Aussage des Vizechefs der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold zu: „Eine jährliche TÜV-Pflicht für sieben Jahre alte Autos ist ein unsinniger bürokratischer Quatsch.“