Notrufsystem eCall soll 2015 starten

Donnerstag den 21.06.2012

Das Projekt eCall (Emergency-Call) geistert schon seit Jahren durch die Büros der Europäischen Union. Die ersten Beschlüsse, Fahrzeuge künftig bereits ab Werk mit dem automatischen Notrufsystem zu versehen, stammen aus dem Jahr 2005. Der Startschuss sollte ursprünglich 2009, dann 2010 erfolgen. Gestern hat der Transportausschuss des Europäischen Parlaments nun grünes Licht für 2015 gegeben. Jetzt bedarf es nur noch einer Richtlinie der Europäischen Union, die seitens der Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgewandelt wird.

Schnelle Hilfe bei Unfällen

Dass es so lange braucht, eCall in die Tat umzusetzen, liegt an den unterschiedlichen Interessen, die hinter den Kulissen kollidieren. Dabei wäre eCall längst einsatzfähig. Das System, das zwischen 150 und 200 Euro kosten soll, verfügt über GPS und einen Crash-Sensor. Wird ein Zusammenstoß registriert, informiert eCall eigenständig eine Notrufzentrale. Von dort aus wird erst versucht, den Halter per Handy zu erreichen. Funktioniert das nicht oder weisen die Daten auf einen schweren Unfall hin, werden umgehend Rettungskräfte an die vom System übermittelten Koordinaten geschickt. Dadurch sind Ersthelfer wesentlich schneller vor Ort. Das könnte, so die EU, bis zu 2.500 Menschen jährlich das Leben retten.

Hauseigenes System der UNIQA Kfz-Versicherung

In Österreich arbeitet die UNIQA Kfz-Versicherung bereits mit einem hauseigenen System namens SafeLine, das zusätzlich dabei hilft, gestohlene Autos zu lokalisieren. Jüngst begrüßte das Unternehmen den 50.000 Kunden, der sich den kleinen Kaste hat in sein Fahrzeug einbauen lassen. Die Erfolgsbilanz der vergangenen Jahre: 2.500 Mal konnte nach Pannen, Unfällen, Notfällen und Diebstählen geholfen werden. Mit von der Partie ist auch die Allianz. Sie gründete vor Jahren die Allianz OrtungsServices GmbH.

Gläserner Kunde

Gegner von eCall befürchten, dass Autofahrer für die Versicherung und/oder den Hersteller zum gläsernen Kunden werden. Denn rein theoretisch ließe sich jede Fahrt samt Tempoüberschreitungen nachvollziehen, um so Daten zu sammeln, die in die Prämienkalkulation einfließen könnten. Hinzu kommt, dass noch offen ist, wer für eCall verantwortlich zeichnet: Assekuranz oder Autobauer. Die Hersteller könnten dafür sorgen, dass die Fahrzeuge nach dem Unfall nur in eigene Werkstätten gebracht werden. Zudem ließen sich mit dem Gerät Zusatz- und Mehrwertdienste verkaufen.

GDV fordert frei zugängliche Plattformen

Die HUK-Coburg fürchtet daher eine Wettbewerbsverzerrung. Sie begrüßt eCall, stellt aber klar: „Wir hätten schon gern eine Information, dass gerade ein Unfall stattgefunden hat, und wollen nicht erst Stunden später erfahren, dass unser Kunde, der eine Kasko-Police mit Werkstattbindung hat, bereits in einer Werkstatt steht, die vielleicht nicht zu unserem Netzwerk gehört.“ Ähnlich argumentiert auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Er fordert freien Zugang zur Telematik-Plattform, damit der Halter „die Hoheit über seine vom Kfz generierten Daten“ behält.