Vor- und Nachteile des Baukastensystems

Dienstag den 14.08.2012

Die Autohersteller sind gewissermaßen Vorreiter: Sie haben das Baukastensystem etabliert und fahren damit sehr gut. Kunden können aus einer Reihe von Optionen wählen, wie das neue Auto gestaltet sein soll, von der Klimaanlage über die Metallic-Lackierung bis hin zum integrierten Navigationsgerät. Dadurch wird das Fahrzeug perfekt an die Wünsche des künftigen Besitzers angepasst. Nach dem gleichen Schema verfährt die Allianz bei ihrer Kfz-Versicherung und wird den „Baukasten“ künftig auch in anderen Sparten wie der Hausrat- und der Haftpflichtversicherung nutzen. Statt von der Stange gibt es die Police dann nach Maß.

Der Vorteil, sich nicht mit einem vorgestanzten Produkt zufriedengeben zu müssen, liegt auf der Hand: Leistungen, die nicht benötigt oder als unnütz betrachtet werden, können kurzerhand von der Liste gestrichen werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, die Basisausstattung um weitere Bausteine zu ergänzen. Dadurch wird der Versicherungsschutz sehr individuell. Klingt gut, ist es sicherlich auch. Aufgrund der vielen Elemente und Kombinationsmöglichkeiten geht aber auch ein Stück Preistransparenz verloren. Da die Verträge eigens auf den Kunden zugeschnitten sind, lassen sie sich nicht mehr ganz so leicht mit den Angeboten der Konkurrenz vergleichen. Dafür sorgt alleine schon der Umstand, dass die großen Kfz-Versicherungsvergleiche zwar viele Fragen zur Wunschkonfiguration stellen, aber längst nicht alle „Sondermodelle“ berücksichtigen können.

Autofahrer, die auf den Baukasten setzen, sollten dennoch versuchen, sich ein Bild davon zu machen, wo das Angebot ungefähr steht. Dafür ist das Sparpotenzial bei der Kfz-Versicherung einfach zu groß. Berücksichtigt werden sollte darüber hinaus, dass auch die Tarifangebote aus einem Versicherungsvergleich in der Regel noch weiter angepasst werden können. Das ist bei vielen Assekuranzen online möglich. Die Allianz muss diesbezüglich noch nachbessern. Sie hat schlichtweg verschlafen, dass das World Wide Web als Vertriebskanal immer wichtiger wird. Deshalb setzt der neue Deutschland-Chef des Konzern, Markus Rieß, jetzt auf Vertreter und Internetangebot. Übrigens: von 8,12 Millionen versicherten Fahrzeugen der Allianz stammen gerade einmal 625.000 aus Onlineverträgen.