Wenn der Eco-Tarif zur Kostenfalle wird

Freitag den 30.11.2012

100 Euro und mehr sind bei der Kfz-Versicherung schnell gespart. Dafür sorgen umfangreiche Autoversicherungsvergleiche, die binnen Sekunden nach den günstigsten Tarifen suchen. Das macht bisweilen auch jetzt noch Sinn, obwohl sich die Tür für die ordentliche Kündigung der Police fast schon geschlossen hat. Viele Kunden dürften angesichts der höheren Beiträge auch in diesem Jahr ein Sonderkündigungsrecht haben und können somit unter Umständen auch nach dem 30. November noch wechseln. Doch der Preis ist nicht der einzige Aspekt, der in den Fokus rücken darf.

„Die Kunden sollten unbedingt darauf achten, dass der Tarif grob fahrlässige Fehler weitgehend mitversichert“, erklärte Monika Maria Risch, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Sie rät von Basistarifen oder Eco- und Kompakt-Varianten der Kfz-Versicherung ab. Die Ersparnis, die ein solcher Tarif biete, müsse man später unter Umständen teuer bezahlen, weil die Leistungen erheblich gekürzt werden. Das betrifft vor allem Schäden, bei denen grobe Fahrlässigkeit zugrunde liegt. In den Fällen muss dann meist ein Richter entscheiden, wie schwer das Verschulden des Kunden war.

Die Unternehmensberatung Nafi aus Höxter hat bei einer Studie insgesamt 36 Versicherungsgesellschaften mit solchen „Magertarifen“ ausfindig gemacht. Mit von der Partie ist unter anderem der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC). Dessen Pressesprecher Jochen Oesterle, erklärte dazu: „Unsere Mitglieder haben sich einen solchen Tarif gewünscht.“ Der ADAC selbst rate jedoch, stets die höherwertigen Tarife zu wählen.

Das Problem, das die Experten sehen: Die großen Kfz-Versicherungsvergleiche listen nur nach Preis. Eine Tabelle nach Leistung, wobei die Option besteht, ungewünschte Bausteine zu entfernen, wäre aus Sicht des DAV besser. Denn, so Monika Maria Risch: „Wer einen leistungsschwachen Tarif kauft, muss damit rechnen, bei einem einzigen Unfall 20.000 Euro zu verlieren.“ Sie plädiert deshalb für mehr Beratung rund um die Autoversicherung.