Vollkasko – kein Leistungsausschluss bei Straßenschäden

Dienstag den 26.02.2013

Schäden am Zugfahrzeug, die von einem Anhänger verursacht wurden, übernimmt die Vollkaskoversicherung in der Regel nicht. Hier greift meist ein sogenannter Leistungsausschluss, der die Kfz-Versicherung von der Schadensregulierung freistellt. Die exakten Konditionen gehen aus dem Vertrag hervor, den Autofahrer nach Möglichkeit genau studieren sollten, um sich später nicht ärgern zu müssen. Passiert ein solcher Unfall mit Hänger allerdings auf einer Straße, die mit Schlaglöchern übersät ist oder Schäden aufweist, hat der Bundesgerichtshof jetzt eine gute Nachricht für Autofahrer.

Der Leistungsausschluss gilt nicht, wenn sich der Unfall auf einer beschädigten Straße ereignet, weil in dem Fall eine nicht vorhersehbare äußere Einwirkung ursächlich ist – eben der Schaden an der Fahrbahn (Aktenzeichen: IV ZR 21/11). Zudem handele es sich nicht um ein typisches Risiko, dem sich Gespanne aus Zugfahrzeug und Anhänger sonst ausgesetzt sehen. Die Straße trage quasi die Schuld am Unfall. Dabei berufen sich die Richter des BGH auf Paragraf 12 Absatz 6 der Kraftfahrversicherung: „Die Vollversicherung umfasst darüber hinaus Schäden durch Unfall, das heißt durch ein unvorhergesehenes, unmittelbar von außen her plötzlich mit mechanischer Gewalt einwirkendes Ereignis.“

Dem Urteil liegt ein Fall zugrunde, bei dem ein Pkw-Fahrer im Juli 2009 mit seinem Wohnwagen auf einer Autobahn aufgrund starker Spurrillen ins Schleudern geriet. Der Wohnwagen kollidierte mit dem Auto und verursachte einen Schaden von fast 2.900 Euro. Die Kfz-Versicherung lehnte die Regulierung ab. Sie bezog sich darauf, dass es sich um einen nicht versicherten Betriebsschaden handele. Daraufhin klagte der Versicherungsnehmer. Entscheidend für den Bundesgerichtshof waren schließlich die Versicherungsbedingungen. Nach „gefestigter Rechtsprechung des Senats“ seien sie so auszulegen, „wie ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer sie bei verständiger Würdigung, aufmerksamer Durchsicht und Berücksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhangs verstehen muss“.