Schäden dürfen gegen den Willen des Kunden reguliert werden

Donnerstag den 28.03.2013

Reguliert die Kfz-Versicherung einen Haftpflichtschaden, verliert der Kunde ein paar seiner Prozente und muss künftig deutlich mehr für die Police berappen – es sei denn, er hat einen Rabattschutz vereinbart. Dieser Zusammenhang sollte jedem Versicherungsnehmer hinlänglich bekannt sein. Doch was passiert, wenn der Versicherte den Schadenersatzanspruch des Unfallgegners für ungerechtfertigt hält, die Assekuranz dennoch zahlt und den Kunden schlechter einstuft? Dann geht es in der Regel vor Gericht. So geschehen in München.

Dort hatte das Amtsgericht über die Rechtmäßigkeit einer Schadenregulierung zu entscheiden. Hintergrund war ein simpler Auffahrunfall, in dessen Folge sich der Geschädigte an die Kfz-Versicherung des Verursachers wandte. Die sah sich den Vorfall ganz genau an und entschied nach fünf Monaten, den Schaden zu begleichen: 1.285 Euro. Die Konsequenz für den Unfallfahrer: Er wurde zurückgestuft, wodurch sein Jahresbeitrag gleich um 170 Euro nach oben kletterte.

Das gefiel dem Mann gar nicht. Er war der festen Überzeugung, dass der Schaden am Fahrzeug nicht durch den Unfall entstanden war, und beschritt den Klageweg. Dabei zog er den Kürzeren. Die Richterin machte deutlich, dass die Assekuranz das Recht habe, im Namen des Versicherungsnehmers Schäden Dritter zu regulieren. Dabei sei sie gehalten, die Interessen des Kunden zu wahren, vor allem, wenn ihm eine schlechtere Einstufung drohe. Da die Kfz-Versicherung den Sachverhalt im vorliegenden Fall gründlich geprüft habe, sei die Regulierung rechtens. Eine Pflichtverletzung der Assekuranz könne nicht festgestellt werden. Angesichts der geringen Schadenshöhe dürfe die Versicherung der Prozessökonomie Vorrang geben und wirtschaftliche Erwägungen anstellen. (Aktenzeichen: 333 C 4271/12 – Amtsgericht München, Urteil vom 4. September 2012).

Für den Versicherungsnehmer ist es sicherlich ärgerlich, künftig tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Doch er hat gleich mehrere Möglichkeiten, eine schlechtere Einstufung zu vermeiden. Der einfachste Weg wäre, der Assekuranz den Schaden zu erstatten. Ob es sich lohnt, berechnet die Kfz-Versicherung. Bei geringeren Beträgen macht das in der Regel durchaus Sinn. Ansonsten kann mit einem Rabattschutz vorgesorgt werden. Der ist zwar kostenpflichtig, bewahrt im Schadensfall aber vor dem Verlust der Prozente.

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