Pay as You Drive – bezahle wie du fährst!

Donnerstag den 14.11.2013

Darüber gesprochen wird schon lange. Den Schritt gewagt hat bislang allerdings noch keine Assekuranz – bis jetzt. Die S-Direkt Kfz-Versicherung will als erstes Unternehmen am deutschen Markt nutzungsabhängige Autopolicen an den Mann und die Frau bringen. Heißt im Klartext: Wer zu sehr auf das Gaspedal tritt oder zu riskanten Fahrmanövern neigt, muss in Zukunft mehr bezahlen als Verkehrsteilnehmer, die sich an sämtliche Regeln halten. In anderen Ländern heißt das Prinzip schlichtweg: pay-as-you-drive – zahle, wie Du fährst.

Die Bedingungen für ein solches System sind dank neuer technischer Errungenschaften längst gegeben. GPS und Bordcomputer wären durchaus in der Lage, die entsprechenden Daten zu liefern und direkt an die Kfz-Versicherung oder ein Serviceunternehmen zu senden. Die S-Direkt sieht das Konzept derzeit noch als zusätzlich buchbaren Service. Dazu würde eine Box in das Fahrzeug eingebaut, die sämtliche Informationen zur Fahrweise speichert. Ab dem kommenden Jahr, so S-Direkt-Vorstandsmitglied Jürgen Cramer, können 1.000 Versicherte das Angebot wahrnehmen.

Die Technik stammt von Telefónica, einem spanischen Mobilfunkunternehmen. Das System berücksichtigt die Zeiten, zu denen man unterwegs ist, die gefahrenen Kilometer, ob man zu schnell ist und wie oft bzw. stark die Bremse genutzt wird. Das sind viele Daten, die längst auch Datenschützer auf den Plan rufen. Sie raten derzeit noch von solchen Verträgen ab und fordern, dass die Kunden bis ins Detail über die Speicherung und Verarbeitung der Daten informiert werden. Völlig abgeneigt ist man der Technik allerdings nicht. „Man darf nicht von vornherein sagen: Das geht gar nicht. Das Modell funktioniert sicherlich mit Einschränkungen“, so ein Sprecher des Landesdatenschutzbeauftragten in Nordrhein-Westfalen.

Deutlich kritischer äußerte sich der Bundesbeauftragte für den Datenschutz. „Wenn die Möglichkeit der Rekonstruktion dem Versicherungsnehmer sogar über ein Internet-Portal oder eine Smartphone-App eingeräumt wird, ergeben sich zusätzliche Überwachungsgefahren“, so Peter Schaar. S-Direkt beruhigt in dieser Hinsicht und betont, dass der Datenschutz penibel eingehalten werde. Die Branche hält es indes für fraglich, ob sich nutzungsabhängige Tarife und damit die Kalkulation nach Fahrweise bei der Autoversicherung überhaupt durchsetzen wird.