Kfz-Versicherungen halten sich mit Telematik-Lösungen zurück

Mittwoch den 8.01.2014

Die Zukunft der Kfz-Versicherung lässt sich zwar nicht punktgenau vorhersagen. Einige Trends, an denen die Assekuranzen in den kommenden Jahren arbeiten müssen, zeichnen sich indes schon ab. Dazu gehören zweifelsohne sogenannte Telematik-Tarife. Sie basieren auf Daten, die von einer Blackbox übermittelt und später ausgewertet werden. Die Sparkassen Direkt-Versicherung hat den ersten Schritt bereits gemacht und im November 2013 angekündigt, mit dem S-Drive-Service ein „Pay-as-you-drive“-Angebot auf den Markt zu bringen. Ansonsten halten sich die Autoversicherer noch zurück.

Damit hinken sie – wie schon beim Wechselkennzeichen – der Konkurrenz aus dem benachbarten Ausland hinterher. In zehn Nationen sind Systeme, die Informationen zur Fahrweise speichern, längst Usus. In Österreich zählt die Uniqa rund 50.000 Kunden, die mit einer Blackbox unterwegs sind. Getauft wurde die Telematik-Lösung auf den Namen Safe-Line. Denn es geht auch darum, im Notfall schnell Hilfe schicken zu können. Hat es gekracht, sendet Safe-Line einen Notruf aus, samt GPS-Daten. Ersthelfer sind dadurch schneller vor Ort, was insbesondere in ländlichen Gebieten Leben retten kann.

Warum sich die Technik in der Bundesrepublik noch nicht durchsetzen konnte bzw. warum die Kfz-Versicherer noch nicht mit von der Partie sind, hat mehrere Gründe. Die meisten Kunden wissen mit dem Begriff Telematik gar nichts anzufangen. Das gilt laut einer Studie von Simon-Kucher & Partners immerhin für 90 Prozent der Versicherungsnehmer. Nachdem sie informiert wurden, wären knapp 50 Prozent bereit, sich einen Sender im Auto einbauen zu lassen. Die andere Hälfte hat noch Zweifel, vor allem mit Blick auf den Datenschutz. Schließlich zeichnet die Technik quasi jeden Schritt nach.

Diese Bedenken sind der zweite Grund, warum Telematik-Lösungen hierzulande noch nicht in den Tariflisten zu finden sind. Doch auf Dauer wird man nicht umhinkommen, entsprechende Angebote zu kalkulieren. Zum einen ist das Interesse da, auch mit Blick auf den Sicherheitsaspekt. Zum anderen fordert die Europäische Union, dass ab 2015 in jedem Neuwagen ein Sensor vorhanden sein muss, der im Fall der Fälle einen Notruf absetzt. Das System nennt sich eCall und wäre die ideale Grundlage für die Kfz-Versicherung. Ob sich dadurch das Fahrverhalten der Kunden ändert, ist zweifelhaft. Dafür müsste dann schon die dicke Keule in Form eines Tarifaufschlags folgen, wenn man über die Stränge schlägt.