So versenkt eine Kfz-Versicherung 5.500 Euro

Donnerstag den 17.08.2017

Versicherungen sind normalerweise sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, Geld auszugeben. Dass eine Kfz-Versicherung für eine Schadensregulierung bezahlt, obwohl sie gar nicht müsste, kommt daher sehr selten vor. Wenn der Zahlungsempfänger dann auch noch meckert und die Autoversicherung die Moneten zurückhaben möchte, wird die Angelegenheit noch spannender und zum Fall für einen Richter.

Ein fast typischer Parkplatz-Crash

Was zunächst ein wenig konfus klingt, begann auf einem Parkplatz. Dort rammte ein Toyota einen Mercedes als er gerade nach links abbiegen wollte. Der Mercedes war nach dem Crash reif für die Schrottpresse. Der Sachschaden wurde mit 20.000 Euro beziffert. Die Kfz-Versicherung des Toyota-Fahrers nahm sich der Sache an. Sie überwies auf Basis einer Haftungsquote von 50 Prozent 5.500 Euro.

Die Frage, die sich den Beteiligten später stellte: Warum zahlte die Versicherung, obwohl sie die näheren Umstände des Unfalls aus der Bußgeldakte und den Berichten ihres Kunden kannte? Denn: Der Mercedes war auf dem Parkplatz schlichtweg zu schnell unterwegs – mit 30 bis 40 Kilometern pro Stunde. Das erkannte die Kfz-Versicherung offenbar erst, als der Unfallgegner auf eine höhere Entschädigung klagte und weitere 15.000 Euro einforderte. Da wollte sie plötzlich ihr Geld zurück, weil der Mercedesfahrer zu sehr aufs Gaspedal getreten hatte.

Die Kfz-Versicherung hat umsonst gezahlt

Darüber entscheiden musste schließlich das Oberlandesgericht Hamm. Die Richter zeigten beiden Beteiligten die kalte Schulter. Weder die Kfz-Versicherung noch der Halter des Mercedes kamen mit ihren Anliegen durch. Die Begründungen sind relativ einfach. Weil der Kläger mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr, steht ihm nicht ein Cent Schadensersatz zu. Die Versicherung wiederum hätte wissen müssen, dass sie dem Fahrer kein Geld schuldet. Daher könne der Empfänger das Geld behalten. Wie sagt man so schön: dumm gelaufen. (OLG Hamm, Aktenzeichen: 9 U 150/16)