Wie wird man nach einem Unfall zurückgestuft?

In Österreich wird die Schadensfreiheitsklasse als Bonus-/Malus-Klasse bezeichnet. Damit treffen die Assekuranzen in der Alpenrepublik den Nagel auf den Kopf. Denn vom Prinzip her handelt es sich bei den SF-Klassen und den damit einhergehenden Rabatten um ein Belohnungs- und „Straf“-System. Wer unfallfrei bleibt bzw. keinen Schaden hat, geht Jahr für Jahr einen Schritt weiter nach vorne und fährt auf Dauer günstiger. Bei einem Unfall gleicht die neue Einstufung hingegen einem Treppensturz. Denn je nach persönlichem Status, der im Rahmen der Kfz-Versicherung erlangt wurde, sackt man bis zu zehn oder mehr Schadensfreiheitsklassen nach unten.
Weitere Informationen zum Schadensfreiheitsklassensystem

Rückstufungstabelle beachten

Es ist kein Geheimnis, in welchen Schritten Kfz-Versicherungen ihre Kunden nach einem Unfall zurückstufen. Zu den Vertragsunterlagen gehört üblicherweise eine Rückstufungstabelle, aus der hervorgeht, wie sich ein Unfall auf die Schadensfreiheitsklasse und den SF-Rabatt auswirkt. Einen einheitlichen Standard gibt es diesbezüglich nicht. Hier arbeiten die Unternehmen mit eigenen Werten und kalkulieren die Rückstufung abhängig vom Tarif. Erfahrungsgemäß wird vor allem bei vergleichsweise günstigen Angeboten rigoros zurückgestuft. Deshalb lohnt sich vor Vertragsabschluss ein Blick auf die Rückstufungstabelle (Info). Denn schon einziger Unfall bzw. Schaden kann die niedrige Prämie auf einen Schlag zunichtemachen.

Durchschnittswerte

Die Tabellen umfassen Schäden aus den Bereichen Kfz-Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung. In beiden Sparten wird unterschiedlich vorgegangen. Hier ein Beispiel für einen Kunden, der aktuell in SF-Klasse 15 ist. Die Grundlage bilden Durchschnittswerte, die von Assekuranz zu Assekuranz deutlich abweichen können:

  • Ein Schaden: Kfz-Haftpflicht SF-Klasse 6 / Vollkaskoversicherung SF-Klasse 9
  • Zwei Schäden: Kfz-Haftpflicht SF-Klasse 2 / Vollkaskoversicherung SF-Klasse 4
  • Drei Schäden: Kfz-Haftpflicht SF-Klasse ½ / Vollkaskoversicherung SF- Klasse 2

So sähe es bei einem Versicherten mit Schadensfreiheitsklasse 25 aus:

  • Ein Schaden: Kfz-Haftpflicht SF-Klasse 18 / Vollkaskoversicherung SF-Klasse 20
  • Zwei Schäden: Kfz-Haftpflicht SF-Klasse 4 / Vollkaskoversicherung SF-Klasse 10
  • Drei Schäden: Kfz-Haftpflicht SF-Klasse 2 / Vollkaskoversicherung SF-Klasse 5

Das heißt: Je mehr Unfälle pro Jahr gemeldet werden, desto rasanter gestaltet sich der Abstieg bei der Schadensfreiheitsklasse, wobei die Rückstufung bei der Vollkasko etwas sachter vonstattengeht.

Rückstufung vermeiden

Vermieden werden kann eine Rückstufung nach einem Unfall, wenn der Schaden aus eigener Tasche bezahlt wird. Ob sich ein solcher Rückkauf rentiert, kann bei der Kfz-Versicherung erfragt werden. Sie ermittelt den Grenzwert, bis zu dem ein Schadenrückkauf günstiger wäre als die schlechtere SF-Klasse. Gerade bei schweren Unfällen dürften die Kosten jedoch weit über diesem Grenzwert liegen, zumindest bei der Kfz-Haftpflichtversicherung. Für die Vollkaskoversicherung bieten sich zwei andere Lösungen an: Kunden, die bereits in SF-Klasse 25 sind, profitieren in der Regel vom sogenannten Rabattretter. Dadurch behält man zwar nicht die Schadensfreiheitsklasse, bleibt aber in der gleichen Rabattstufe. Eine andere Variante ist der Rabattschutz, der gegen Aufpreis vereinbart werden kann. Dabei bleibt ein Unfall pro Jahr ungesühnt und erfolgt keine Rückstufung.
Mit einem Rabattschutz die Rückstufung vermeiden